Abendlicher Garten mit hellen Blüten und Nachtfalter an einer offenen Blüte.

Garten für Nachtfalter – warum der Garten auch nachts blühen sollte

Garten für Nachtfalter – warum der Garten auch nachts blühen sollte

Wer seinen Garten für Insekten attraktiver machen möchte, denkt zuerst an Bienen und Tagfalter – und pflanzt entsprechend tagsüber blühende, farbenfrohe Pflanzen. Was dabei vergessen wird: Ein großer Teil der Insektenwelt ist nachtaktiv. Nachtfalter – also Motten und ihre Verwandten – sind in Deutschland mit über 3.000 Arten weit artenreicher als die rund 190 Tagfalterarten. Sie sind Bestäuber, Nahrungsquelle für Fledermäuse und Vögel und ein wichtiger Teil des nächtlichen Ökosystems. Und sie brauchen andere Pflanzen als ihre tagaktiven Verwandten.

Wie Nachtfalter Blüten finden

Tagfalter orientieren sich an Farbe und Form – leuchtende Blüten in Rot, Orange und Gelb ziehen sie an. Nachtfalter sehen im Dunkeln kaum Farben, orientieren sich aber an hellen, weißen oder cremefarbenen Blüten, die im Mondlicht reflektieren, und vor allem an Duft. Nachtblühende Pflanzen investieren ihre Energie in intensiven Duft statt in Farbe – weshalb viele von ihnen tagsüber kaum riechen und erst nach Sonnenuntergang ihr Aroma entfalten. Wer abends im Garten sitzt und plötzlich einen intensiven, süßen Duft wahrnimmt, ohne die Quelle zu sehen, hat es mit einer klassischen Nachtblüherin zu tun.

Die besten Pflanzen für Nachtfalter

Nachtviole – Hesperis matronalis – ist eine der wertvollsten Pflanzen für den Nachtfaltergarten. Sie blüht in Weiß und zartem Lila, duftet am Abend intensiv nach Vanille und Gewürzen und ist eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Nachtfalterarten. Sie ist zweijährig und sät sich zuverlässig selbst aus – wer sie einmal im Garten hat, hat sie dauerhaft. Weiße Lichtnelke – Silene latifolia – öffnet ihre Blüten erst am späten Nachmittag und duftet die ganze Nacht. Sie ist eine der wichtigsten Futterpflanzen für den Nelkenspanner und mehrere Eulenfalterarten. Nachtkerze – Oenothera biennis – ist unverkennbar: große, gelbe Blüten, die sich am Abend innerhalb von Minuten öffnen und bis zum nächsten Morgen geöffnet bleiben. Der Duft ist süßlich und weitreichend, die Pflanze selbst pflegeleicht und robust. Geißblatt – Lonicera periclymenum – rankt an Zäunen und Pergolen, blüht cremefarben und verströmt abends einen der intensivsten Düfte im Garten. Es ist eine der wichtigsten Nektarquellen für den Taubenschwänzchen-Falter und verschiedene Schwärmerarten. Tabak – Nicotiana sylvestris – ist eine der dramatischsten Nachtblüher: meterlange, weiße, röhrenförmige Blüten, die ausschließlich für langrüsselige Nachtfalter zugänglich sind und abends intensiv duften.

Futterpflanzen für Raupen nicht vergessen

Nachtfalter brauchen nicht nur Nektar – ihre Raupen brauchen Futterpflanzen. Und das sind häufig genau die Pflanzen, die im aufgeräumten Garten als erstes verschwinden. Brennnesseln sind die Futterpflanze für Dutzende von Nachtfalterarten. Weiden, Pappeln und Erlen sind unverzichtbar für viele große Schwärmer- und Spinner-Raupen. Gräser und Wildkräuter ernähren zahlreiche Eulenfalter-Raupen. Wer eine wilde Ecke mit einheimischen Gehölzen und Wildkräutern im Garten hat, hat automatisch einen Lebensraum für Nachtfalter geschaffen – auch wenn er es nicht beabsichtigt hat.

Licht als Problem

Künstliches Licht ist eine der größten Bedrohungen für Nachtfalter. Nachtfalter orientieren sich an natürlichen Lichtquellen – Mond und Sterne – und werden von künstlichen Lichtquellen fatal angelockt und desorientiert. Wer seinen Garten nachtfalterfreundlich gestalten möchte, sollte Außenbeleuchtung auf das Nötigste reduzieren, Bewegungsmelder statt Dauerbeleuchtung verwenden und wenn möglich auf warmweißes oder bernsteinfarbenes Licht umsteigen, das weniger Insekten anzieht als kaltweißes oder blaues Licht. Eine dunkle Gartenecke ist für Nachtfalter wertvoller als jede Pflanze unter einer Außenlampe.

Fledermäuse als Bonus

Wer Nachtfalter in den Garten holt, bekommt Fledermäuse dazu – denn Fledermäuse ernähren sich zu einem großen Teil von Nachtfaltern und anderen nachtaktiven Insekten. Ein Garten mit vielen Nachtfaltern ist automatisch ein attraktiver Jagdrevier für Fledermäuse. Wer zusätzlich einen Fledermauskastenaufhängt und eine Wasserstelle anbietet, hat gute Chancen, dass Fledermäuse regelmäßige Gäste werden. Abends auf der Terrasse sitzen und Fledermäuse beim Jagen zuzuschauen – das ist einer der unterschätztesten Genüsse eines naturnahen Gartens.


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