Sprossen und Microgreens – Superfood von der Fensterbank
Sprossen und Microgreens sind das Gegenteil von aufwendigem Gärtnern – kein Beet, kein Garten, keine besondere Ausrüstung. Ein Glas, ein bisschen Erde, eine helle Fensterbank, und man erntet innerhalb weniger Tage frisches, nährstoffreiches Grün das ganze Jahr über. Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen beiden, die beim Einstieg wichtig sind – und ein paar Fehler, die sich leicht vermeiden lassen.
Sprossen und Microgreens – was ist der Unterschied
Sprossen wachsen ohne Erde, direkt im Wasser oder auf feuchten Unterlagen – der Samen keimt und wird mitsamt Keim gegessen, bevor das erste echte Blatt erscheint. Microgreens hingegen wachsen in Erde oder einem anderen Substrat und werden geerntet, wenn das erste echte Blattpaar ausgebildet ist – also etwas später als Sprossen, aber deutlich früher als eine ausgewachsene Pflanze. Sprossen sind schneller – drei bis fünf Tage – und brauchen noch weniger Platz. Microgreens brauchen fünf bis vierzehn Tage je nach Sorte, haben aber oft ein intensiveres Aroma und mehr Biss.
Sprossen – so geht es
Für Sprossen braucht man ein Keimglas oder Keimsieb, Samen und Wasser – mehr nicht. Die Samen werden zunächst acht bis zwölf Stunden in Wasser eingeweicht, dann abgegossen und zweimal täglich mit frischem Wasser gespült. Das verhindert Schimmelbildung und versorgt die keimenden Samen mit Feuchtigkeit. Direkte Sonne brauchen Sprossen nicht – ein heller Platz reicht. Geeignete Sorten für den Einstieg sind Linsen, Kichererbsen, Mungobohnen und Radieschen – alle keimen zuverlässig, schnell und schmecken frisch und aromatisch. Bockshornklee und Bockshornklee-Sprossen sind intensiver im Geschmack und nichts für jeden, aber eine spannende Ergänzung. Wichtig: nur Saatgut verwenden, das ausdrücklich für die Sprossenanzucht freigegeben ist – herkömmliches Saatgut kann gebeizt sein.
Microgreens – so geht es
Microgreens wachsen in flachen Schalen mit zwei bis drei Zentimetern Anzuchterde oder Kokossubstrat. Die Samen werden dicht aber gleichmäßig auf die Oberfläche gestreut und leicht angedrückt. Dann feucht halten – am besten von unten wässern, indem man die Schale in etwas Wasser stellt, damit die Oberfläche nicht aufweicht und Schimmel keine Chance hat. In den ersten Tagen können die Schalen abgedeckt werden, um die Keimung zu beschleunigen – sobald die ersten Triebe sichtbar sind, kommt Licht dazu. Geerntet wird mit einer Schere knapp über dem Substrat. Nachwachsen tun Microgreens in der Regel nicht – nach der Ernte neue Schale ansetzen.
Die besten Sorten für Einsteiger
Radieschen-Microgreens sind die Empfehlung Nummer eins: schnell, zuverlässig, würzig und vielseitig. Sie keimen innerhalb von zwei bis drei Tagen und sind nach sieben bis zehn Tagen erntereif. Erbsen-Microgreens wachsen ebenfalls schnell, werden etwas größer und schmecken angenehm süßlich – ideal als Salatbeilage oder auf Brot. Sonnenblumen-Microgreens haben einen nussigen Geschmack und sind besonders gehaltvoll. Senf und Rucola bringen Schärfe ins Glas – wer es pikant mag, ist hier richtig. Basilikum ist als Microgreen möglich, aber etwas anspruchsvoller und langsamer – eher für Fortgeschrittene.
Warum der Nährstoffgehalt so hoch ist
Sprossen und Microgreens sind nährstoffreicher als ausgewachsene Pflanzen – das klingt nach Marketing, ist aber biologisch erklärbar. In der Keimphase mobilisiert der Samen alle gespeicherten Nährstoffe, um das erste Wachstum anzutreiben. Vitamine, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe sind in dieser Phase besonders konzentriert. Studien haben gezeigt, dass Microgreens je nach Sorte vier- bis vierzigmal mehr bestimmter Nährstoffe enthalten können als das ausgewachsene Gemüse – wobei die Menge, die man realistisch isst, natürlich begrenzt ist. Als Ergänzung zur Ernährung sind sie trotzdem sinnvoll, und vor allem: frischer geht nicht.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Der häufigste Fehler bei Sprossen ist zu selten spülen – zweimal täglich ist Pflicht, sonst bildet sich Schimmel. Bei Microgreens ist zu viel Wasser von oben das Problem – die Oberfläche sollte feucht, nicht nass sein. Zu wenig Licht führt bei Microgreens zu langen, blassen, geschmacklosen Trieben – eine helle Fensterbank nach Süden oder Osten ist ideal, eine LED-Pflanzenlampe im Winter eine sinnvolle Ergänzung. Wer mehrere Sorten gleichzeitig anbaut, sollte sie beschriften – denn im Keimlingsstadium sehen viele Sorten sich täuschend ähnlich.
Ganzjährig frisch, ohne Garten
Sprossen und Microgreens sind die einfachste Art, das ganze Jahr über selbst angebautes, frisches Grün auf dem Teller zu haben – unabhängig von Saison, Wetter und verfügbarem Platz. Wer einmal damit angefangen hat, hört selten wieder auf. Eine gute Anzuchtschale mit Drainage und ein helles Fensterbrett reichen für den Start vollständig aus.
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