Titel: Estragon anbauen – das Kraut der französischen Küche
Sauce Béarnaise wäre ohne ihn undenkbar Estragon ist in der deutschen Küche weitgehend in Vergessenheit geraten – in Frankreich hingegen gehört er zu den unverzichtbaren Küchenkräutern überhaupt. Sauce Béarnaise, Kräutersenf, Geflügelgerichte, Salatdressings – überall dort, wo ein feines, anisartiges Aroma gefragt ist, ist Estragon kaum zu ersetzen. Wer ihn einmal frisch selbst geerntet hat, versteht, warum er in der feinen Küche nach wie vor unverzichtbar ist.
Drei Sorten – eine Entscheidung Wer Estragon anbauen möchte, begegnet schnell drei Varianten. Französischer Estragon ist die aromatischste und feinste Sorte – sein süßlich-anisartiges Aroma ist unvergleichlich, er bleibt selbst bei Hitze nicht bitter. Der Haken: Er bildet keine keimfähigen Samen und kann nur über Stecklinge, Absenker oder Teilung vermehrt werden. Russischer Estragon lässt sich aus Samen ziehen, ist robuster und winterhärter – schmeckt aber deutlich milder und leicht bitter. Wer Estragon wegen des Aromas anbaut, greift zum Französischen oder Deutschen Estragon – und kauft eine Jungpflanze aus dem Gartencenter statt Saatgut.
Standort – sonnig, windgeschützt, durchlässig Estragon bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen, windgeschützten Standort. Je mehr Sonne, desto intensiver das Aroma – Halbschatten funktioniert, führt aber zu schwächerem Wuchs. Der Boden sollte locker, durchlässig, mäßig nährstoffreich und gleichmäßig feucht sein – zu nährstoffreiche Erde fördert Blattwachstum auf Kosten des Aromas. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden. Wer schweren Lehmboden hat, arbeitet großzügig Sand ein. Pflanzabstand mindestens 30 bis 50 Zentimeter – Estragon wächst buschig und kann mit der Zeit beachtlich ausladend werden. Für den Hausbedarf reichen in der Regel zwei Pflanzen vollständig aus.
Pflanzung – ab Ende April Jungpflanzen ab Ende April nach den letzten Frösten ins Beet setzen – etwas tiefer als im Topf, aber nicht zu tief. Vor dem Einpflanzen den Wurzelballen kurz in Wasser tauchen. Direkt nach dem Einpflanzen gut angießen. Im Topf mindestens 30 Zentimeter Durchmesser einplanen, Drainageschicht nicht vergessen. Der Stoff Pflanzkübel FoldBloom eignet sich gut für Estragon auf Balkon und Terrasse – atmungsaktiv, mit natürlicher Drainage und ausreichend tief für die Wurzeln.
Gießen und Düngen – weniger ist mehr Eingewurzelter Estragon verträgt gelegentliche Trockenheit gut – Staunässe ist weit gefährlicher als Wassermangel. Im Freiland reicht Regenwasser in normalen Sommern meist aus, bei längerer Trockenheit regelmäßig kontrollieren. Im Topf erst gießen, wenn die oberste Erdschicht trocken ist. Eine Kompostgabe im Frühjahr reicht als Düngung aus – mineralischer Dünger beeinträchtigt die Aromabildung und sollte vermieden werden.
Ernten – morgens und von den Triebspitzen Blätter und junge Triebspitzen lassen sich von Mai bis Oktober ernten – das Aroma ist am intensivsten kurz vor der Blüte. Immer morgens ernten, wenn der Tau abgetrocknet ist. Nicht zu stark ernten – nie mehr als ein Drittel der Pflanze auf einmal. Wer die Blütenansätze regelmäßig entfernt, verlängert die Erntesaison und hält das Aroma kräftig. Ältere Blätter an der Basis sind weniger aromatisch als junge Blätter an den Triebspitzen.
Haltbar machen – einfrieren statt trocknen Beim Trocknen verliert Estragon einen Großteil seines Aromas – Einfrieren ist die klar bessere Methode. Blätter klein hacken, portionsweise in Eiswürfelformen einfrieren und direkt für Saucen und Eintöpfe verwenden. Wer Kräuteressig herstellen möchte: Frische Estragontriebe in Weißweinessig einlegen und vier Wochen ziehen lassen – ein klassischer Estragonessig, der zu Salaten und hellem Fleisch passt.
Rückschnitt und Verjüngung Estragon neigt dazu, von unten her kahl zu werden – zwei bis drei bodennahe Rückschnitte pro Jahr halten die Pflanze kompakt und buschig. Im Spätherbst die Triebe auf etwa handhohe Stümpfe zurückschneiden. Alle drei bis vier Jahre empfiehlt sich eine Teilung – den Wurzelstock ausgraben, teilen und an einem neuen Standort einpflanzen. Das verjüngt die Pflanze, erhält das Aroma und liefert gleichzeitig neue Pflanzen.
Überwinterung Russischer Estragon überwintert im Freiland ohne Schutz. Französischer Estragon ist etwas empfindlicher – im Freiland mit einer Schicht Reisig oder Laub abdecken, Topfpflanzen an die Hauswand stellen und einwickeln oder an einem kühlen, hellen Ort drinnen überwintern.
Fazit Estragon anbauen lohnt sich für alle, die die feine, klassische Küche schätzen – frisch selbst gezogen ist er aromatischer als jede getrocknete Alternative. Wer auf die richtige Sorte setzt und ihn nicht zu sehr düngt, hat jahrelang ein Küchenkraut, das in Deutschland viel zu selten auf dem Teller landet.