Meerrettich anbauen – robuste Wurzel mit Tipps zu Standort, Ernte und Verwendung in der Küche

Meerrettich anbauen – robust, scharf und fast nicht totzukriegen

Das Wurzelgemüse, das sich einmal einlädt und nie wieder geht Meerrettich ist eine der eigenartigsten Pflanzen im Gemüsegarten – im besten Sinne. Einmal gepflanzt, bleibt er. Selbst kleinste Wurzelstücke, die bei der Ernte im Boden verbleiben, treiben zuverlässig neu aus. In alten, verlassenen Gärten wächst Meerrettich oft noch Jahrzehnte später an derselben Stelle – unbeirrt und unaufhaltsam. Wer das weiß, pflanzt ihn bewusst an einen festen, dauerhaften Platz – und erntet dort für viele Jahre scharf-aromatische Wurzeln.

Standort – sonnig, tief, locker Meerrettich liebt Sonne und kommt mit Halbschatten notfalls zurecht, wächst dort aber spürbar zurückhaltender. Viel wichtiger als die Lage ist der Boden: Er muss tief, locker und humos sein, damit sich die Pfahlwurzel ungehindert nach unten ausbreiten kann – sie wird bis zu 80 Zentimeter lang. Auf sandigem Boden entwickelt Meerrettich wenig Aroma, auf schwerem Lehmboden neigt die Wurzel zum Verholzen. Am besten gedeiht er auf humosem, tiefgründigem Gartenboden mit guter Wasserspeicherung. Staunässe und hohe Salzgehalte im Boden sind unbedingt zu vermeiden.

Vermehrung – aus Fechsern, nicht aus Samen Meerrettich bildet kaum keimfähige Samen – er wird stattdessen aus sogenannten Fechsern vermehrt. Das sind bleistiftdicke Seitenwurzeln, die bei der Herbsternte von der Hauptwurzel abgeschnitten werden. Diese Fechser werden schräg in die Erde gesetzt – der obere Teil mit dem geraden Schnitt nach oben, das schräg geschnittene untere Ende nach unten. Gepflanzt wird im Frühjahr zwischen März und Mai, direkt ins Freiland. Fechser im richtigen Winkel setzen – zu waagerecht ergibt kaum Wurzelwachstum, zu senkrecht fördert übermäßiges Blattwachstum. Pflanzkabstand mindestens 50 mal 40 Zentimeter – Meerrettich braucht Platz nach allen Seiten.

Pflege – damit die Hauptwurzel dick wird Wer eine kräftige, dicke Hauptwurzel ernten möchte, muss aktiv eingreifen. Sind die Blätter etwa zehn Zentimeter hoch, die Wurzel leicht freilegen und alle Seitenwurzeln abbrechen oder abschneiden – so kann die Pflanze ihre gesamte Energie in die Hauptwurzel stecken. Diesen Schritt alle sechs bis acht Wochen wiederholen. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Stroh hält die Feuchtigkeit im Boden und spart Jätarbeit. Regelmäßig gießen – besonders in der Hauptwachstumszeit braucht Meerrettich gleichmäßige Feuchtigkeit. Eine Kompostgabe im Frühjahr reicht als Düngung vollständig aus.

Wuchern verhindern Da sich Meerrettich aus jedem verbliebenen Wurzelstück neu aufbaut, kann er sich ungewollt stark ausbreiten. Wer das verhindern möchte, pflanzt ihn in ein begrenztes Beet oder setzt eine Rhizomsperre in den Boden – ähnlich wie bei der Minze. Alternativ dafür sorgen, dass bei der Ernte möglichst keine Wurzelstücke im Boden verbleiben – was in der Praxis kaum vollständig gelingt. Der feste, dauerhaft geplante Standort ist daher die praktischste Lösung.

Ernte – ab Oktober bis in den Winter Meerrettich wird erst ab Oktober geerntet, sobald die Blätter zu welken beginnen – dann hat die Pfahlwurzel ihr Wachstum abgeschlossen und ist am aromatischsten. Die Haupterntezeit ist November bis Januar – der Boden sollte nicht gefroren sein. Mit einer Grabegabel rund um die Pflanze stechen und die Wurzel vorsichtig herausheben – Verletzungen beeinträchtigen die Lagerfähigkeit. Die abgeschnittenen Seitenwurzeln gleich als Fechser für die nächste Saison aufheben, kühl und feucht in Sand lagern. Wer nicht alles auf einmal erntet, lässt die Wurzeln einfach im Boden – Meerrettich ist vollständig winterhart.

Haltbar machen und verwenden Frisch geriebener Meerrettich ist weiß und strahlend – aber er verfärbt sich schnell graubraun. Ein Spritzer Zitronensaft direkt nach dem Reiben verhindert das Anlaufen. Die Wurzel lässt sich einfrieren – im Ganzen oder gerieben – und ist so bis zu einem Jahr haltbar, verliert allerdings mit der Zeit etwas an Schärfe. Im Kühlschrank in ein feuchtes Tuch gewickelt hält eine angeschnittene Wurzel etwa zwei Wochen. In Sand eingelagert bei etwa fünf Grad ist sie im kühlen Keller mehrere Monate frisch.

Fazit Meerrettich anbauen ist ideal für alle, die eine pflegeleichte, ausdauernde Pflanze mit echtem Nutzwert suchen. Einmal eingepflanzt, kommt er verlässlich wieder – Jahr für Jahr. Wer ihm den richtigen Platz gibt, hat auf kleinstem Raum jahrzehntelang frisch geriebenen Meerrettich griffbereit.

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