Collage mit Topinambur-Pflanzen, Blüte und geernteten Knollen.

Topinambur anbauen – die vergessene Knolle

Die Kartoffel hat sie verdrängt – zu Unrecht Topinambur war jahrhundertelang eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel Europas – bis die Kartoffel im 18. Jahrhundert ihren Platz einnahm. Heute erlebt die knollige Erdsonnenblume eine stille Renaissance: robust, winterhart, fast wartungsfrei und mit einem nussig-artischockenartigen Aroma, das jeden überrascht, der sie zum ersten Mal probiert. Wer einmal Topinambur im Garten hat, hat ihn so gut wie immer – was Vor- und Nachteil zugleich ist.

Was Topinambur eigentlich ist Topinambur – auch Erdbirne, Erdartischocke oder Jerusalemartischocke genannt – ist eine ausdauernde Staude aus der Familie der Sonnenblumen. Sie wird bis zu drei Meter hoch, bildet ab August leuchtend gelbe Blüten und treibt unterirdisch ausgedehnte Knollen. Die Knollen enthalten kein Solanin und keine Stärke, dafür reichlich Inulin – ein pflanzlicher Ballaststoff, der den Blutzuckerspiegel kaum beeinflusst. Für Menschen mit Diabetes ist Topinambur daher eine besonders interessante Gemüsealternative. Der Inulingehalt kann bei empfindlichen Menschen allerdings Blähungen verursachen – gekocht ist die Knolle deutlich bekömmlicher als roh.

Standort – sonnig, locker, feucht Topinambur wächst fast überall – an sonnigen wie halbschattigen Standorten. Wer große, aromatische Knollen ernten möchte, wählt einen sonnigen, windgeschützten Platz mit lockerem, humosem, leicht feuchtem Boden. Staunässe unbedingt vermeiden – auf verdichtetem oder dauerhaft nassem Boden bleiben die Knollen klein. Ein Standort am Zaun oder am Gartenrand ist ideal – Topinambur wird hoch, beschattet dann nichts Wichtiges und lässt sich dort gut begrenzen.

Wurzelsperre ist Pflicht Das Wichtigste zuerst: Wer Topinambur einmal pflanzt, hat ihn dauerhaft – aus jedem verbliebenen Knollenstück im Boden treibt im Frühjahr eine neue Pflanze. Wer die Ausbreitung kontrollieren möchte, gräbt vor dem Pflanzen eine Wurzelsperre aus robuster Folie mindestens 50 Zentimeter tief in den Boden ein. Wer das übersieht, kämpft jahrelang gegen unerwünschten Aufwuchs.

Pflanzen – aus Knollen, nicht aus Samen Topinambur wird nicht aus Samen gezogen, sondern aus Knollen. Pflanzzeit ist April bis Mai, alternativ Oktober. Knollen fünf bis zehn Zentimeter tief in die Erde legen, Pflanzabstand etwa 50 bis 60 Zentimeter. Wer keine Saatknollen kaufen möchte: Im Handel erhältliche Speiseknollen treiben genauso gut aus – einfach einige beiseitelegen und einpflanzen.

Pflege – fast keine Nach dem Einwurzeln braucht Topinambur kaum Pflege. Bei längerer Trockenheit gießen – ohne ausreichend Wasser bleiben die Knollen klein. Eine Kompostgabe im Frühjahr reicht als Düngung vollständig aus. Mulchen hält die Bodenfeuchtigkeit und spart Gießarbeit. Unkraut jäten nur in den ersten Wochen – sobald die Pflanze wächst, beschattet sie den Boden selbst und verdrängt Wildkräuter.

Ernte – von Oktober bis ins Frühjahr Ab Oktober können die ersten Knollen geerntet werden – mit der Grabegabel seitlich einstechen und vorsichtig heraushebeln. Pro Pflanze sind acht bis zehn Knollen möglich. Das Praktischste an Topinambur: Die Knollen können den gesamten Winter im Boden bleiben und bei Bedarf frisch geerntet werden – sie sind vollständig winterhart und schmecken nach Frost sogar aromatischer. Wer mehr erntet als sofort verbraucht wird, lagert die Knollen kühl und leicht feucht in Sand oder feuchter Erde – deutlich weniger lagerfähig als Kartoffeln, deshalb immer nur kleine Mengen auf einmal ernten.

Wühlmäuse – der einzige echte Feind Topinambur ist von kaum einem Schädling bedroht – mit einer Ausnahme: Wühlmäuse finden Topinamburknollen unwiderstehlich und können die gesamte Ernte innerhalb kurzer Zeit dezimieren. Wer viele Wühlmäuse im Garten hat, baut Topinambur besser im Kübel an oder verlegt einen Drahtkorb unter die Pflanzfläche.

In der Küche – vielseitiger als gedacht Topinambur kann roh gegessen werden – mit etwas Zitronensaft, um das Braunwerden der Schnittflächen zu verhindern. Gekocht, gebacken oder als Suppe ist er am bekömmlichsten. Als Ofengemüse mit Öl und Kräutern, als cremige Suppe oder in hauchdünne Scheiben geschnitten und getrocknet als Chips – die Möglichkeiten sind vielseitiger als bei der Kartoffel.

Fazit Topinambur anbauen ist für alle interessant, die ein pflegeleichtes, winterhartes und überraschendes Gemüse suchen. Einmal gepflanzt, kommt er zuverlässig wieder – wer ihm einen festen, begrenzten Platz gibt, hat jahrzehntelang eine der ungewöhnlichsten und lohnendsten Knollen im Garten.

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